Es gibt diese Momente, die uns tief in uns selbst zurückwerfen und gleichzeitig die Tür zu etwas Neuem öffnen. Gerade sitze ich hier und lasse alles nachwirken, was die Veranstaltung „Building Resilience From Within“ in mir ausgelöst hat. Besonders ein Moment hat mich dabei nicht losgelassen: eine junge Frau, die mit einem Querflöten-Solo die Veranstaltung eröffnete. Als ich ihre Flötentöne hörte, wurde ich plötzlich zurückversetzt in eine Situation aus meiner Schulzeit, in der ich das gleiche Instrument gespielt habe. Und zwar in der Bigband des Gymnasiums.
Wir hatten einen Auftritt im Zinkhütter Hof. Es war das Stück „Flashdance“, in dem ich das Solo spielen sollte. Ich war gut in dem, was ich tat, und spielte die Flöte gerne. Doch als ich da auf der Bühne stand und in die Masse blickte, überkam mich eine panische Angst. Angst zu versagen, nicht genug zu leisten, es nicht richtig zu machen. Und so kam es, dass kein Ton aus meiner Flöte kam. Ich verließ die Bühne, ohne das Solo gespielt zu haben. Dieser Moment prägte mich – und ich hörte relativ früh auf, Querflöte zu spielen. Ich dachte, ich könnte es nicht. Einmal versagt, und plötzlich war ich nicht mehr gut genug.
Doch was ich heute in dieser Veranstaltung über Resilienz und Stärke erfahren habe, bringt mich zu einer neuen Erkenntnis. Ich habe in meiner Zeit auf Korfu zum ersten Mal wirklich erfahren, was es bedeutet, etwas nicht zu können, und was passiert, wenn ich diese Schwäche annehme. Als ich mich aufgab und akzeptierte, dass ich etwas nicht beherrsche, war plötzlich der Druck weg. Es wurde leichter, und plötzlich ging es doch.
Diese Erkenntnis hat mir gezeigt, dass es nicht darum geht, immer perfekt zu sein oder alles sofort zu können. Es geht darum, uns selbst zu erlauben, in jedem Moment auch mal schwach zu sein und trotzdem unser Bestes zu geben.
In den letzten Wochen wurde mir noch etwas anderes bewusst. Wir glauben oft, dass wir uns entscheiden müssen – für das eine oder das andere. Das Leben wird in Schubladen gesteckt, und wir denken, dass wir nur eines von vielen Dingen leben können. Auch ich dachte lange, dass es nur „eins“ gibt – eine Leidenschaft, eine Richtung, ein Ziel. Aber was wäre, wenn wir alles haben können? Was, wenn all die Interessen, Träume und Sehnsüchte in uns Platz finden dürfen und wir uns nicht mehr entscheiden müssen, was wir leben?
Für mich bedeutet das, dass wir lernen dürfen, uns nicht mehr in eine Schublade zu pressen. Wir müssen nicht nur ein Instrument beherrschen, nur eine Leidenschaft ausleben oder nur in einer Rolle leben. Wir können alle Facetten in uns tragen und sie gleichzeitig leben. Wir dürfen uns zeigen, wie wir sind. In all unseren Widersprüchlichkeiten, in all unseren Facetten. Und je mehr wir uns selbst annehmen, desto mehr kommen wir in unser eigenes, wahres Sein.
Es ist ein Prozess des Loslassens, des Zulassens und des Akzeptierens. Nur dann können wir uns wirklich entfalten. Und erleben, dass wir mehr sind als nur das, was wir zu sein glauben. Also, was hindert uns noch daran, alles zu leben, was in uns steckt? Warum sollten wir uns mit einem einzigen „Ich kann“ oder „Ich bin“ zufrieden geben, wenn wir so viel mehr sein können?
Lasst uns den Weg zu unserer vollständigen, wahren und unperfekten Version gehen – ohne Angst, ohne Bewertung. Was ist es, das du heute loslassen kannst, um deine wahre Größe zu entfalten?
